Frequently asked Questions - FAQs zum Europsy

Was ist der EuroPsy?

Der EuroPsy enthält eine Reihe von Standards für die Bildung und Ausbildung von Psychologen, die von den Mitgliedern der EFPA (European Federation of Psychologists Associations) vereinbart wurden und dafür sorgen sollen, dass ein bestimmtes Qualitäts- und Anforderungsniveau für Psychologen aufrechterhalten wird. Das darauf basierende Europäische Zertifikat in Psychologie (EuroPsy) kann Einzelpersonen verliehen werden, wenn ihre individuellen Studienverläufe und die anschließende praktische Erfahrung den Kriterien des EuroPsy entsprechen.

 

Was hat der BDP mit dem EuroPsy zu tun?

Der BDP (Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V.) bildet zusammen mit der DGPs (Deutsche Gesellschaft für Psychologie e.V) die Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen, die sich gemeinsam um Belange der Psychologie in Deutschland kümmern. Eines ihrer Vorhaben ist die Einführung des EuroPsy in Deutschland.

 

Warum wehren sich Hochschulen dagegen, dass der BDP sie nicht „anerkennt“?

Im Sommer 2008 hat der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) in der Verbandszeitschrift „report psychologie“ in Frage gestellt, ob Wirtschaftspsychologie und andere Kombinationsstudiengänge denn „Psychologie“ seien (Knoch & Lang, 2008). Man spricht von „neuen kreativen Studien- und Berufsprofilen“ … mit „potenziellen Risiken“, deren „Chancen noch nicht eingeschätzt werden können“ – obwohl es Veröffentlichungen darüber und genügend Ansprechpartner, die auch Mitglieder im BDP sind oder waren und die man hätte fragen können, gibt.

Unter der expliziten Überschrift „Akkreditierung und Anerkennung der Programme“ (S 350) schreibt der BDP: „Der BDP greift daher die Aufgabe auf, Listen mit anerkennungsfähigen und mit nicht als Hauptfachstudium der Psychologie im Sinne des EuroPsy anerkannten Studiengängen vorzulegen.“ Resultat ist eine Positivliste und eine ursprünglich „Negativliste“ genannte Liste der „nicht anerkannten“ Studiengänge – ohne die Kriterien, nach denen diese Zuordnung gemacht wurde, bekannt zu geben.

 

Kann der BDP „Studiengänge anerkennen“ oder „definieren, was Psychologie ist“? Und wieso gibt es die seltsamen Listen mit dem Titel „Anerkannte bzw. Nicht anerkannte Studiengänge“?

Nein, der BDP kann weder das eine noch das andere, denn er ist ein privater Verband. Er kann nur für sich selbst entscheiden, wen er als Mitglied zulässt oder nicht – wobei die Mitgliedschaft im BDP ebenfalls eine Privatangelegenheit ist und keine Auswirkungen auf die Berufsausübung hat. Der BDP hat nur in seinen Veröffentlichungen immer wieder versucht – und versucht es weiterhin – den Anschein zu erwecken, dass er das könne.

So hat etwa die Pressemitteilung Nr. 03/09 vom 9. April 2009 zur Klage einer betroffenen Hochschule gegen die Listen des BDP die sehr irreführende Überschrift: „Neue Bachelor- und Masterstudiengänge: Der BDP darf weiterhin definieren, was ein Psychologe ist“. Bei genauerer Lektüre zeigt sich, dass es eigentlich nur darum geht, dass der BDP bestimmen darf, wer bei ihm Mitglied wird und es gar kein Urteil gab, sondern die Klage zurückgezogen wurde.

In der Sitzung des Nationalen Anerkennungskomitees zum EuroPsy am 16.11.2009 hat der BDP zugestanden, dass es bei den Listen, die er unter dem irreführenden Titel „Anerkannte bzw. Nicht anerkannte Studiengänge“ sowohl in Report Psychologie als auch im Internet veröffentlicht hatte, ausschließlich um die Frage geht, ob eine Person mit dem aufgeführten Studienabschluss Mitglied des BDP werden kann oder nicht. Die Listen entstanden aufgrund interner Kriterien, die nichts mit dem EuroPsy zu tun haben – obwohl sie nach außen so dargestellt wurden, als sei dies der Fall – und immer noch mißverständlich dargestellt werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs), im Nationalen Anerkennungskomitee engagiert für eine fundierte und wissenschaftlich orientierte Festlegung der Kritierien zur Anerkennung zum EuroPsy, hatte sich schon vorher von den „Listen“ des BDP distanziert und erreicht, dass die Darstellung, sie seien in Zusammenarbeit mit der DGPs entstanden, im Artikel so nicht mehr steht. (Interessanterweise ist in dem Artikel, der im Internet steht, nicht kenntlich gemacht, welche Passagen nachträglich geändert wurden – eine unübliche und unschöne Vorgehensweise.)

 

Nach welchen Kriterien erfolgt denn nun die Anerkennung zum EuroPsy?

Die Kriterien des EuroPsy sind relativ weit gefasst. Sie erlauben es, psychologische Fächer auch mit anderen Fächern zu kombinieren. Es gibt derzeit keine Prozentzahlen, anhand derer die Zusammensetzung der Fächer und die Verteilung der Leistungsnachweise eindeutig festgelegt wäre. Im Gegenteil, in der Beschreibung des Curriculuminhalts wird von „normalerweise“ und „kann“ gesprochen.

Die exakten Vergabekriterien sollen auf der nächsten Sitzung des Presidential Councils europaweit diskutiert und präsizisiert werden. Dabei ist sicherlich der großen Varianz im europäischen Raum Rechnung zu tragen. Es kann nicht sinnvoll sein kann, dass bspw. in Deutschland andere Kriterien angelegt werden als in Spanien oder England.

Es existieren Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) für die Einrichtung und Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudiengängen (DGPs, 2005). Im Schreiben der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen (BDP und DGPs) vom 20.3.2008 nennt die Präsidentin des BDP persönlich ganz klar den Bachelor und Master of Science als Voraussetzung für den Erwerb des EuroPsy-Zertifikats.

Allerdings tauchen in der Positivliste des BDP neben vielen Studiengängen mit dem Abschluss B.Sc. auch Studiengänge mit dem Abschluss "Master of Arts" auf. Demgegenüber sind auf der Liste der „nicht anerkannten“ Wirtschaftspsychologie-Studiengänge mehrere Hochschulen aufgeführt, die mit einem Bachelor oder Master of Science abschließen. Man fragt sich, wieso der BDP hier die von ihm mitgetragenen und explizit von seiner Präsidentin genannten Forderungen nicht einhält.

 

Brauche ich als Wirtschaftspsychologe/in die Anerkennung zum EuroPsy?

Der Studienabschluss in einem akkreditierten Studiengang einer Hochschule ist der Nachweis, dass man seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat. Derzeit ist kein Fall bekannt, bei dem ein Arbeitgeber für Wirtschaftspsychologen/innen (FH) den EuroPsy in seiner Entscheidung berücksichtigt hätte. Der Abschluss als Wirtschaftspsychologe (FH) wird in der Wirtschaft problemlos akzeptiert. Es geht beim Vorgehen des BDP (ausführliche Schilderung in Stäudel, 2009) momentan wohl eher um ständepolitische Interessen, eine Vermutung, die auch dadurch gestützt wird, dass der BDP trotz des offenen Briefes der GWPs bislang keine inhaltliche Diskussion mit den Vertretern der Fachhochschulen suchte.

 

Wohin wird sich die Wirtschaftspsychologie entwickeln?

Die Diskussion darum, was genau die Inhalte eines wirtschaftspsychologischen Studiums sein sollten, ist durch die Auseinandersetzung mit dem BDP intensiviert worden. Die Frage ist, ob sich Wirtschaftspsychologen eher als Psychologen verstehen, die psychologisches Know-how in die Wirtschaft bringen, oder als Schnittstellenwissenschaftler, die in einem hybriden Studiengang psychologische und wirtschaftswissenschaftliche Denkweisen zu etwas Neuem vereinen (Reinhardt, 2009).

 

Literatur:

  • European Federation of Psychologists Associations (ohne Datum). EuroPsy - Europäisches Zertifikat in Psychologie – Anhänge. www.europsy.de/dokumente/europsy-Anhänge_deutsch.pdf (Abruf 19.9.2008)
  • Förderation Deutscher Psychologenvereinigungen (2008). Europäisches Zertifikat in Psycho-logie (EuroPsy) in der Erprobungsphase – Anträge werden angenommen. www.europsy.de/dokumente/aufruf.pdf (Abruf 20.6.2008)
  • Deutsche Gesellschaft für Psychologie (2005).Empfehlungen der DGPs zur Einrichtung von Bachelor- und Masterstudiengängen. www.dgps.de/studium/abschluesse/zielsetzungen.php (Abruf 03.11.08)
  • Klauk, B. & Stäudel, T. (Hrsg.) (2007). Studienführer Wirtschaftspsychologie (Business Psy-chology). Lengerich: Pabst Science Publishers.
  • Knoch, M. & Lang, F. (2008). Qualifikation und Berufschancen. Report Psychologie, 7-8, S 349 – 351.
  • Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (2009). Pressemitteilung Nr. 03/09 des BDP vom 9. April 2009; www.bdp-verband.de/bdp/presse/2009/03_urteil.html (Abruf 11.05.09)

 

 


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