Empfehlungen im Rahmen der Konzeption und Akkreditierung von Wirtschaftspsychologie-Studiengängen

 

Im Studiengebiet der Wirtschaftspsychologie ist aktuell ein sehr großes Wachstum zu verzeichnen. Sehr viele neue Studiengänge - insbesondere auch an privaten Hochschulen - entstehen und werden einer Akkreditierung unterzogen. Die Heterogenität der entstehenden Studienprogramme macht es den akkreditierenden Agenturen und ihren Gutachtern nicht immer leicht, die Angemessenheit des Curriculums für das entsprechende Studienfach zu beurteilen.


Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) hat Richtlinien für Psychologie-Studiengänge entwickelt, die primär für einen polyvalenten universitären Psychologie-Bachelor konzipiert sind und damit nur teilweise auf die deutlich spezifischeren, interdisziplinärer zusammengesetzten und  berufsqualifizierend ausgerichteten Bachelorstudiengänge der Wirtschaftspsychologie übertragbar sind. An dieser Stelle entsteht für Gutachter in Akkreditierungsverfahren wirtschaftspsychologischer Studiengänge die Herausforderung, eigene Gütemaßstäbe zu entwickeln und auch im Verfahren durchzusetzen.


Zur Unterstützung der Gutachter in diesen Verfahren hat sich die Gesellschaft für angewandte Wirtschaftspsychologie (GWPs) als der wissenschaftliche Fachverband für wirtschaftspsychologische Studiengänge in Deutschland der Aufgabe gewidmet, aus ihrer fachlichen Expertise heraus Empfehlungen für Curricula in Wirtschaftspsychologie-Studiengängen zu entwickeln und diese den Akkreditierungsagenturen als unterstützendes Instrument zur Beurteilung der Qualität der Curricula an die Hand zu geben. Viele unserer Mitglieder sind selbst als Gutachter für den Wissenschaftsrat sowie für Akkreditierungsagenturen tätig und kennen daher den Bedarf an einheitlichen Empfehlungen und Richtlinien, die die Diskussion im Gutachtergremium erleichtern. Gerne möchten wir damit einen Beitrag leisten, die Qualität von Studienprogrammen der Wirtschaftspsychologie zu sichern und damit auch einen Missbrauch des beliebten Labels „Wirtschaftspsychologie“ zu verhindern.


Die hier vorgestellten Empfehlungen wurden in der Mitgliederversammlung der GWPs am 03.03.2017 einstimmig verabschiedet und sind somit von einem breiten Kreis von Wirtschaftspsychologie-Expertinnen und -Experten in Deutschland getragen. Sie beinhalten einen Mindest-Standard an curricularen Lehrinhalten, der aus Expertensicht erfüllt sein sollte, um einen Bachelor-Studiengang mit der Bezeichnung „Wirtschaftspsychologie“ benennen zu können und ermöglichen den Hochschulen gleichzeitig dennoch einen Spielraum für die individuelle Ausgestaltung von Curricula.


Ein Studiengang sollte nach unserer Empfehlung nur dann mit „Wirtschaftspsychologie“ benannt werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind.
Zum einen sollte das Curriculum bestimmte Mindestinhalte an psychologischen Grundlagenfächern, empirischen Methoden, wirtschaftsbezogenen Fächern und wirtschaftspsychologischen Anwendungsfächern (z.B. Arbeits-, Organisations-, Personalpsychologie; Markt-, Konsumenten-, Medienpsychologie; Ingenieurpsychologie) beinhalten. Diese Mindestanforderungen sind in der Übersichtsgrafik dargestellt.

 

Empfehlungen für Mindestinhalte und -umfänge für einen Bachelor in Wirtschaftspscyhologie

Darüber hinaus gilt generell: Psychologische Inhalte (*) müssen insgesamt mehr als 50% der Gesamt-CPs umfassen.

 

Zudem ist die Qualifikation der Professuren und sonstigen Lehrkräfte ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Neben fachlicher Einschlägigkeit (d.h. Studium / Promotion im jeweiligen Fachgebiet) sollte eine qualifizierte Praxiserfahrung (nicht ersetzbar durch Habilitation), eine Forschungsorientierung sowie die Fähigkeit zum wechselseitigen Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis nachgewiesen werden können.


Wir würden uns sehr freuen, wenn diese fachlich-inhaltlichen Empfehlungen von Gutachtern im Rahmen der Akkreditierung und Reakkreditierung von Bachelor-Studiengängen der Wirtschaftspsychologie aktiv genutzt werden.

 

Rückfragen zu den Empfehlungen, zum Entwicklungsprozess sowie zur konkreten Anwendbarkeit im Akkreditierungsverfahren beantworten wir sehr gerne.


Ansprechpartnerin innerhalb der GWPs: Prof. Dr. Stefanie Winter, Vizepräsidentin der GWPs, Professorin für Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der Hochschule Darmstadt
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